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Dr. Kerstin Schallaböck KAMI skincare – Cortisol, Stress und Neurodermitis Tipps für Mütter

„Wenn Mama unter Strom steht...": Dr. Kerstin Schallaböck über Cortisol und Neurodermitis

 Liebe KAMI skincare-Freunde,

Der Muttertag naht und ich nutze ihn dieses Jahr, um Euch ein Thema näher zu bringen, das mir als Ärztin und vierfache Mama wirklich am Herzen liegt: Stress und was er mit unserer Haut macht. Besonders mit der Haut von Menschen, die an Neurodermitis leiden – Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen.

Ich habe mich diesmal selbst gefragt. In diesem Interview-Format könnt Ihr mir quasi über die Schulter schauen.

„Wie entsteht überhaupt ein ungesunder Cortisolspiegel?"

Cortisol ist kein Feind – das möchte ich zuerst sagen. Es ist ein Hormon, das wir brauchen. Morgens, wenn es uns aus dem Schlaf holt, wenn es uns in Gefahrensituationen schützt, wenn es Entzündungen reguliert. Das Problem entsteht nicht durch Cortisol selbst, sondern durch Dauerstress, der diesen natürlichen Regelkreis aus dem Takt bringt.

Was passiert im Körper? Nimmt das Gehirn – genauer gesagt der Hypothalamus – eine Bedrohung wahr, wird über die sogenannte HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebennierenrinde) eine Kettenreaktion ausgelöst: CRH → ACTH → Cortisol. Ursprünglich gedacht als Schutz vor dem vor der Höhle liegenden Säbelzahntiger. Heute sitzt dieser Säbelzahntiger im Schulstress des Kindes, in der zu vollen E-Mail-Inbox, im schlaflosen dritten Jahr mit einem neurodermitischen Baby, im Stress zwischen Beruf und Haushalt.

Als Mutter kenne ich das alles. Wenn ich ehrlich bin: Der Cortisolspiegel vieler Mütter ist strukturell erhöht.  Nicht weil wir schwach sind, sondern weil wir zu viel gleichzeitig tragen. Schlafmangel, mentale Dauerpräsenz, Sorge um das Kind mit Neurodermitis, eigene Erschöpfung. Das ist kein persönliches Versagen. Das ist Biologie.

„Was macht chronisch erhöhtes Cortisol konkret mit der Haut – auch bei Neurodermitis?"

Das ist die Frage, die mich als Ärztin fasziniert und als Mutter beunruhigt.

Kurzfristig wirkt Cortisol entzündungshemmend, deshalb wird es ja auch medizinisch eingesetzt. Aber chronisch erhöhtes Cortisol wirkt paradoxerweise entzündungsfördernd. Es schwächt die Hautbarriere, reduziert die Produktion von Ceramiden und schädlichen Lipiden, die unsere Haut schützend zusammenhalten, und es senkt die Produktion antimikrobieller Peptide wie Beta-Defensin und Cathelicidin. Kurz gesagt: Die Haut verliert ihren Schutzwall.

Für Menschen mit Neurodermitis (atopischer Dermatitis) ist das besonders dramatisch, weil ihre Hautbarriere ohnehin schon genetisch geschwächt ist. Ein erhöhter Cortisolspiegel durch Stress ist wie das Entfernen der letzten Schutzschicht.

Eine Studie aus 2024 (DOI: 10.1111/jocd.16634) zeigt eindrucksvoll, wie chronischer psychischer Stress über die Ausschüttung von Cortisol und Epinephrin nicht nur Hautalterung beschleunigt, sondern auch Erkrankungen wie atopische Dermatitis, Psoriasis und Akne begünstigt. Direkt messbar in Zellschäden, verminderter Wundheilung und gestörter Barrierefunktion.

Und auch die brandaktuelle Forschung bestätigt dies. Eine Studie aus dem März 2026, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Science (Tian et al., DOI: 10.1126/science.adv5974), liefert erstmals einen klaren molekularen Beweis dafür, wie Stress vom Gehirn bis unter die Haut wirkt und warum bei gestressten Patienten mit Neurodermitis bestimmte Immunzellen in der Haut überaktiv reagieren. Also ist es nicht mehr nur Vermutung – Stress und Neurodermitis-Schub sind biochemisch direkt miteinander verbunden.

„Wie erleben das Mütter von Kindern mit Neurodermitis konkret?"

Ich werde oft gefragt: Warum wird es beim Kind in der Schularbeitswoche immer schlimmer? Warum schlägt die Neurodermitis genau dann auf, wenn es zu Hause angespannt ist? Warum ist die Haut im Urlaub viel besser?

Die Antwort ist einfach und gleichzeitig komplex: Kinder spüren den Stress ihrer Eltern und sie verarbeiten ihren eigenen Stress körperlich – oft über die Haut. Neurodermitis bei Kindern ist zutiefst psychosomatisch eingebettet. Das bedeutet nicht, dass die Eltern schuld sind – das ist das Gegenteil davon! Es bedeutet, dass Stressreduktion im Familienalltag aktive Medizin ist.

Gleichzeitig ist das Bild der gestressten Mutter eines neurodermitischen Kindes selbst körperlich belastet: Sie schläft schlecht, weil es das Kind nachts juckt und es sich kratzt. Sie trägt Schuldgefühle. Sie fühlt sich hilflos. Genau diese Hilflosigkeit kenne ich aus meiner eigenen Geschichte – sie hat mich dazu gebracht, KAMI skincare zu entwickeln.

„Was bewirkt Schlafmangel und warum ist er für Neurodermitiker besonders gefährlich?"

Schlaf ist die wichtigste Cortisolbremse, die wir haben. Nachts sinkt der Cortisolspiegel natürlicherweise ab. Das ist der Moment, in dem sich die Haut regeneriert, Entzündungen zurückgehen, die Barriere sich erneuert.

Wenn dieses Fenster chronisch fehlt – durch ein juckendes Kind, das ruft, durch eigene Gedanken, die sich drehen – steigt der Cortisolspiegel auch nachts nicht ausreichend ab. Die Haut kommt nicht zur Ruhe. Neurodermitis-Schübe bei Kindern und Erwachsenen werden nachts durch mangelnden Schlaf direkt verstärkt. Es ist ein Teufelskreis: Jucken stört den Schlaf – Schlafmangel erhöht Cortisol – erhöhtes Cortisol verstärkt den Juckreiz.

„Was kann man konkret tun? Welche Rituale helfen, den Cortisolspiegel zu regulieren?"

Und jetzt kommen wir zu dem, was ich wirklich teilen möchte – nicht als Ärztin mit Rezeptblock, sondern als Mama, die selbst täglich übt.

Rituale sind mächtig, weil sie dem Gehirn Sicherheit signalisieren. Regelmäßigkeit ist das Gegenteil von Bedrohung. Wenn der Körper weiß: jetzt kommt dieser Moment für mich, beginnt er schon damit runterzufahren.

Hier sind die Rituale, die ich empfehle und selbst praktiziere:

🌿 1. Das Abend-Pflegeritual – Medizin und Fürsorge in einem

Das abendliche Einölen oder Eincremen des Kindes ist für mich mehr als Pflege. Es ist Kontakt, Beruhigung, Ritual. Studien zur Massage bei Kindern mit Neurodermitis zeigen, dass regelmäßige, sanfte Berührung nicht nur die Hautbarriere unterstützt, sondern auch Stresshormone bei Eltern und Kind senkt.

Wenn ich abends das KAMI SOS Hautpflegeöl auf die trockenen Stellen meines Sohnes auftrage – ruhig, bewusst, mit dem Duft von Lavendel und blauer Kamille – ist das kein lästiges Pflichtprogramm. Das ist unser ruhigster Moment des Tages. Pflege als gemeinsames Ritual schafft Sicherheit. Für das Kind und für dich als Mama.

🌬️ 2. Atemübungen – unterschätzt und hochwirksam

Drei tiefe Atemzüge. Klingt banal. Ist es nicht. Tiefes Zwerchfellatmen aktiviert den Parasympathikus – das Gegenteil des Stresssystems. In der Forschung gilt die Atemkontrolle als einer der schnellsten, zugänglichsten Wege zur Cortisolsenkung. Du brauchst keine App, kein Kurs, kein Equipment.

Mein Tipp für stressige Momente: 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 6 Sekunden ausatmen. Das dauert zwei Minuten. Und es funktioniert, auch auf dem Spielplatz, im Wartezimmer, beim Arztgespräch.

🌲 3. Verbringe 20 Minuten in der Natur

Forschungen zeigen, dass bereits 20 Minuten in der Natur den Cortisolspiegel messbar senken können. Nicht Sport, nicht Leistung – einfach draußen sein. Ein Spaziergang. Barfuß auf Gras. Es reicht auch die Grünfläche beim Spielplatz! Oder zumindest das Fenster aufmachen.

Für Kinder mit Neurodermitis gilt: Frische Luft (außerhalb der Pollensaison!) ist therapeutisch. Kühle, feuchte Luft beruhigt gereizte Haut. Und gemeinsame Zeit in der Natur beruhigt das gesamte Stresssystem der Familie.

☀️ 4. Die Morgen-Routine als Anker

Chaos morgens = erhöhter Cortisolstart. Ein ruhiger Morgen, auch wenn er dadurch 10 Minuten länger gedauert hat, senkt den Stresspegel für den gesamten Tag.

Mein persönlicher Morgenanker: Bevor ich das Telefon anschaue, trinke ich in Ruhe meinen Tee. Manchmal ist das genau diese eine Tasse, die den Unterschied macht.

🧴 5. Die eigene Pflege – nicht zuletzt

Mütter von Kindern mit Neurodermitis pflegen ihre Kinder aufopfernd und vergessen sich selbst. Dabei gilt medizinisch: Wenn du selbst unter Dauerstress stehst, leidet deine Immunregulation. Deine eigene Haut. Deine Kapazität für Geduld.

Selbstfürsorge ist keine Schwäche. Sie ist Voraussetzung.

Ich sage das auch zu mir: Die fünf Minuten, in denen du dein Gesicht mit Pflege versorgst und bewusst atmest,  sind keine Luxus. Das ist Regulation, Vorsorge. Für dich, und damit auch für dein Kind.

„Was würdest du Müttern raten, die selbst an Neurodermitis leiden?"

Es gibt viele Mütter, die selbst an Neurodermitis leiden, und gleichzeitig ein neurodermitisches Kind versorgen. Doppelte Last, doppelte Notwendigkeit.

Mein Rat: Geht mit der gleichen Fürsorge mit eurer eigenen Haut um wie mit der eures Kindes. Kein schlechtes Gewissen. Keine Abkürzungen bei der eigenen Pflege. Wenn die Mutter in der Schubphase ist, spürt das Kind es. Der Kreislauf aus Stress, Hautreaktion und Erschöpfung betrifft die ganze Familie.

Neurodermitis bei Kindern und bei Müttern braucht dasselbe: Konsequenz, Sanftheit und Rituale.

Ein Wort zum Muttertag

Muttertag bedeutet für mich: Nicht Rosen kaufen, sondern innehalten. Danke sagen zu dir selbst. Für alles, was du trägst. Für die schlaflosen Nächte, die ruhigen Hände beim Eincremen, den langen Atem.

Wenn du diesen Artikel liest und ein Geschenk für dich selbst sucht – oder jemand für dich: Ein ruhiges Ritual ist das wertvollste Geschenk. Und wenn dabei ein KAMI-Produkt hilft, eine Pflegeminute zu einem echten Moment der Fürsorge zu machen – dann freue ich mich sehr.

In diesem Sinne: Alles Liebe zum Muttertag – von Ärztin zu Mama, von Mama zu Mama.

Eure Kerstin

Dr. med. Kerstin Schallaböck Allgemeinmedizinerin, vierfache Mama, Gründerin von KAMI skincare

Weiterführende Links & Studien:

  • Tian et al. (2026): Stress und atopische Dermatitis auf Molekülebene – Science: DOI: 10.1126/science.adv5974
  • Pujos et al. (2024): Chronischer Stress und Hauterkrankungen inkl. atopische Dermatitis – Journal of Cosmetic Dermatology: DOI: 10.1111/jocd.16634
  • Mizawa et al. (2013): Cortisolspiegel im Speichel bei Patienten mit atopischer Dermatitis – NCBI: PMC3736503

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